Ein Prozent Gebühren im Jahr klingt nach wenig. Über Jahrzehnte kann es aber ein Viertel deines Endvermögens kosten, weil die Kosten nicht nur deine Einzahlungen, sondern auch den Zinseszins schmälern. Hier siehst du, wie die TER funktioniert, was ein Ausgabeaufschlag bewirkt und wie groß der Unterschied zwischen ETF und aktivem Fonds ausfallen kann.
Was die TER ist
TER steht für Total Expense Ratio, auf Deutsch Gesamtkostenquote. Sie gibt an, wie viel Prozent des Fondsvermögens pro Jahr für laufende Kosten anfallen. Dazu gehören unter anderem:
- Verwaltungsvergütung für die Fondsgesellschaft
- Kosten der Verwahrstelle
- Kosten für Prüfung, Berichte und Verwaltung
Die TER wird nicht separat abgebucht. Sie wird laufend aus dem Fondsvermögen entnommen und ist bereits im Kurs des Fonds eingerechnet. Du siehst sie deshalb nie auf deinem Kontoauszug. Das macht sie leicht zu übersehen.
In den Unterlagen deines Fonds, etwa im Basisinformationsblatt, findest du die laufenden Kosten ausgewiesen. Die Kosten für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren innerhalb des Fonds (Transaktionskosten) sind in der TER nicht enthalten und kommen oben drauf.
ETF und aktiver Fonds im Vergleich
| Index-ETF | Aktiv gemanagter Fonds | |
|---|---|---|
| Strategie | bildet einen Index nach | Fondsmanager wählt Wertpapiere aus |
| Typische TER | oft 0,1 bis 0,5 % | oft 1,0 bis 2,0 % |
| Ausgabeaufschlag | in der Regel keiner | häufig bis zu 5 % |
| Ziel | Marktrendite abzüglich geringer Kosten | Marktrendite übertreffen |
Ein aktiver Fonds muss seine höheren Kosten erst einmal durch bessere Wertpapierauswahl wieder hereinholen, bevor er Anleger besser stellt als ein günstiger ETF. Langfristige Auswertungen wie die SPIVA-Berichte von S&P zeigen regelmäßig, dass über zehn Jahre und mehr die Mehrheit aktiv gemanagter Aktienfonds ihren Vergleichsindex nicht schlägt. Das heißt nicht, dass jeder aktive Fonds schlecht ist. Die Kosten sind aber eine sichere Belastung, die Mehrrendite ist es nicht.
Beispielrechnung: 10.000 € über 30 Jahre
Du legst einmalig 10.000 € an. Die Anlage bringt vor Kosten 7 % pro Jahr. Vereinfacht ziehst du die TER von der Rendite ab und rechnest mit jährlicher Zinsgutschrift.
| TER pro Jahr | Rendite nach Kosten | Endkapital nach 30 Jahren | Weniger als ohne Kosten |
|---|---|---|---|
| 0 % | 7,0 % | 76.123 € | 0 € |
| 0,2 % | 6,8 % | 71.968 € | 4.155 € (5,5 %) |
| 0,5 % | 6,5 % | 66.144 € | 9.979 € (13,1 %) |
| 1,0 % | 6,0 % | 57.435 € | 18.688 € (24,5 %) |
| 1,5 % | 5,5 % | 49.840 € | 26.283 € (34,5 %) |
| 2,0 % | 5,0 % | 43.219 € | 32.903 € (43,2 %) |
Renditen sind Annahmen und nicht garantiert.
Ein Prozentpunkt mehr laufende Kosten kostet dich hier also rund ein Viertel des Endvermögens. Zwischen einem ETF mit 0,2 % und einem aktiven Fonds mit 1,5 % liegen 22.128 €. Bezogen auf den Gewinn ist der Unterschied noch deutlicher: Beim ETF verdienst du 61.968 €, beim teuren Fonds 39.840 €.
Warum die Wirkung so stark ist
Im ersten Jahr kosten 1 % auf 10.000 € nur 100 €. Aber diese 100 € fehlen dir danach jedes Jahr, samt allen Erträgen, die sie in den nächsten 29 Jahren gebracht hätten. Gleichzeitig wird die TER jedes Jahr auf das gewachsene Vermögen fällig, also immer auf einen höheren Betrag. Die Kosten wachsen mit, der Zinseszins arbeitet gegen dich.
Mit der 72er-Regel wird das greifbar: Bei 7 % verdoppelt sich dein Geld etwa alle 10 Jahre, bei 5,5 % etwa alle 13 Jahre. In 30 Jahren sind das rund drei Verdopplungen gegen gut zwei.
Der Ausgabeaufschlag
Viele aktiv gemanagte Fonds verlangen beim Kauf einen Ausgabeaufschlag, oft bis zu 5 %. Er wird auf den Wert der Fondsanteile aufgeschlagen. Zahlst du 200 € ein, kaufst du bei 5 % Aufschlag Anteile im Wert von 200 € / 1,05 = 190,48 €. Die restlichen 9,52 € gehen als Vertriebsprovision weg.
Der Ausgabeaufschlag fällt bei jeder Einzahlung an, also auch bei jeder Sparplanrate. Anders als die TER wirkt er nur einmal pro Einzahlung, ist aber sofort weg und fehlt dem Zinseszins ebenfalls über die gesamte Laufzeit.
Beispielrechnung: Sparplan über 30 Jahre
Du sparst 30 Jahre lang 200 € im Monat, insgesamt also 72.000 €. Die Anlage bringt vor Kosten 7 % pro Jahr. Annahmen: Einzahlung zum Monatsanfang, jährliche Gutschrift der Erträge, keine Steuern.
| Variante | TER | Ausgabeaufschlag | Endkapital |
|---|---|---|---|
| ohne Kosten | 0 % | 0 % | 235.302 € |
| Index-ETF | 0,2 % | 0 % | 226.765 € |
| aktiver Fonds | 1,5 % | 0 % | 179.024 € |
| aktiver Fonds | 1,5 % | 5 % | 170.499 € |
Der aktive Fonds mit Ausgabeaufschlag kommt am Ende auf 56.266 € weniger als der ETF, knapp ein Viertel. 47.741 € davon verursacht die höhere TER, 8.525 € der Ausgabeaufschlag samt entgangener Erträge. Direkt als Aufschlag bezahlt hast du dabei nur 3.428,57 €.
Rechne das mit deinen eigenen Zahlen im Fondskosten-Rechner nach. Dort siehst du auch, wie sich die Kosten Jahr für Jahr aufsummieren.
Weitere Kosten im Blick behalten
Neben TER und Ausgabeaufschlag können weitere Kosten anfallen:
- Ordergebühren beim Kauf und Verkauf über die Börse oder pro Sparplanausführung. Bei kleinen Raten wiegen feste Gebühren schwer: 1,50 € auf eine Rate von 25 € sind 6 %.
- Depotgebühren für die Verwahrung, falls deine Bank welche verlangt.
- Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs an der Börse.
- Erfolgsabhängige Gebühren bei manchen aktiven Fonds, wenn sie eine bestimmte Rendite übertreffen.
- Kosten von Versicherungsmänteln, etwa bei fondsgebundenen Rentenversicherungen, die zusätzlich zur TER der Fonds anfallen.
Alle Kosten zusammen sind entscheidend. Ein ETF mit sehr niedriger TER kann durch hohe Ordergebühren bei kleinen Raten teurer werden als erwartet.
Worauf du achten kannst
- Vergleiche die TER ähnlicher Fonds. Bei breit gestreuten Indizes gibt es kaum Gründe, deutlich mehr zu zahlen.
- Prüfe, ob ein Ausgabeaufschlag verlangt wird und ob er sich vermeiden lässt, etwa beim Kauf über die Börse.
- Rechne in Euro, nicht in Prozent. 1,3 Prozentpunkte klingen harmlos, 22.000 € auf 10.000 € Anlage nicht.
- Bedenke die Laufzeit. Je länger du anlegst, desto stärker wirken die Kosten. Über 5 Jahre ist der Unterschied überschaubar, über 30 Jahre erheblich.
Kosten sind der einzige Faktor deiner Rendite, den du sicher kontrollieren kannst. Wie viel Kosten, Steuern und Inflation zusammen ausmachen, erfährst du in den Artikeln zu Steuern auf Kapitalerträge und Inflation und Kaufkraft. Wie Sparpläne ohne Kostenabzug wachsen, zeigt der Artikel zum ETF-Sparplan.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.